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Geschichten

In den Schatten von Malaki

Veröffentlicht am 5 Minuten Lesezeit
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Die Sonne brannte heiß auf den Sand von Surmakar. Nur die Mauern der Ruinen von Malaki warfen Schatten und spendeten etwas Kühle. In der Stille war ein Huschen wahrzunehmen, eine Bewegung, als sich zwei Gestalten in die Höhleneingänge der alten Ruinen begaben.

Ein Rattling mit zottigem Fell, vielleicht hüfthoch bei einem durchschnittlichen Menschen. Er war in eine braune Stoffkutte gehüllt, die an einigen Ecken schon verschlissen war, mit einem schweren Rucksack und einem Gürtel voller Taschen. Neben ihm eine etwas kleinere Gestalt mit hartem Chitinpanzer und vielen Beinen, die über den Boden wuselte.

Langsam und vorsichtig begaben sich die beiden in die Tiefen der Gänge. Schauten, horchten. Hier und dort wischte der Rattling Staub und Sand beiseite, um zu schauen, ob er nicht irgendwelche Spuren, Glyphen oder ähnliche Hinweise auf die Schätze der Ruinen finden konnte.

„Ach, Elrika“, murmelte er leise, „es wird langsam mal wieder Zeit, dass wir etwas finden. Ein Gedankensplitter, irgendein Artefakt… Und wenn es nur ein paar alte Scherben sind. Die Kinder haben echt Hunger.“

Die riesige Gruftassel neben ihm zwitscherte nur, aber er wusste, dass sie ihm zustimmte. Das einzig Angenehme war, dass es hier in den Gängen der Ruinen wenigstens ein bisschen kühl war.

Immer weiter drangen sie vor, auf der Suche nach kleinen Schätzen und großen Entdeckungen.
Irgendwann öffnete sich vor ihnen ein größerer Raum, gesäumt von alabasterfarbenen Säulen an den Seiten.
Schon vom Eingang aus erkannte Zasz ein seltsames Muster auf dem Boden. Vorsichtig tippelte er darauf zu, die Ohren aufmerksam hin und her zuckend, und schaute genau, wo er seine Füße hinsetzte. Denn niemand konnte sagen, wo hier die nächste uralte Falle lauerte.

Während Zasz die Mitte des Raumes erreichte, nahm seine Begleiterin Elrika einen anderen Weg: Sie krallte sich an den Wänden fest und lief nahezu mühelos bis unter die Decke hinauf.

In der Mitte angekommen pustete Zasz den Sand von dem Muster, um zu erkennen, was es war. Er legte ein Ornament aus Linien und Runen frei, verschnörkelt und ineinander verwunden.
Was seine Augen jedoch groß werden ließ war das, was er in der Mitte des Musters sah. Dort war ein fast faustgroßer, blauer Edelstein eingelassen.
Als er sich dem Kristall näherte begann dieser leicht bläulich zu schimmern. Was Zasz jetzt nicht unbedingt beruhigte.

Es war, als würden die Schatten aus der Mitte des Raumes herausgedrängt zu den Seiten, sich dort aber verfestigen. Fast schon zu einer undurchdringlichen Substanz werden. Und es war ihm, als würde ein Flüstern aus Runen durch den Raum und die Gänge gehen. Er spürte, dass es auch seiner Begleiterin oben an der Decke unangenehm war.

Leise hörte er eine tiefe, rauchige Stimme irgendwo in seinem Hinterkopf.
„Nimm den Stein. Reiß ihn heraus. Er ist mehr wert als alles, was du hier in der Gegend finden wirst. Tu mir den Gefallen.“

Wieder schluckte er, diesmal noch schwerer, denn nichts Gutes ging von der Stimme aus. Er spürte, wie ihm ein eiskalter Schauer den Rücken hinunterlief.
Aber andererseits, die Stimme hatte recht. Dieser Edelstein würde seiner Gefährtin und seinen Kindern vermutlich für ein ganzes Jahr genug bringen.

Er zögerte. Langsam griff er nach Fang, dem Dolch, den er von seinem Vater geerbt hatte, und überlegte, ob er ihn ansetzen und den Edelstein herausbrechen sollte.

„Tu es. Tu es, kleiner Rattling“, flüsterte die Stimme in seinem Hinterkopf.

Er setzte die Spitze seines Dolches an den Rand des Edelsteins an. Und wie ein Blitz durchzuckte es ihn. Bilder liefen durch seinen Kopf. Bilder, die an die Ruinen erinnerten, aber als intakte Gebäude, als Mauern, als prachtvolle Bauten, zwischen denen Gestalten hin und her liefen. All das flackerte zu schnell vor seinem inneren Auge vorbei, um wirklich etwas wahrnehmen zu können.
Doch nichts davon war geeignet ihn zu beruhigen.

„Tu es“, flüsterte die Stimme wieder.

Er zog die Dolchspitze ein wenig vom Stein weg, zögerte.
Alles in ihm schrie danach die Beine in die Hand zu nehmen. Und doch, das würde sich anfühlen als würde er seine Familie im Stich lassen.

Dann war da noch etwas anderes. Er runzelte die Stirn, seine Ohren spitzten sich. Irgendetwas anderes hatte er aus dem Gang gehört. Und im nächsten Moment durchzuckte es ihn wie glühendes Feuer, als er von weiter hinten im Tunnel ein lautes Geheul hörte.

„Worgen!“ zischte er. Auch von Elrika spürte er ein Erschauern. Die Zügellosen, vom Blutdurst wild gewordene Wolfsmenschen, die auf der Suche nach Beute durch die Wüste zogen.
Sie mussten seine Fährte aufgenommen haben und ihm bis in die Ruinen gefolgt sein. Scharf durch ihre Gier nach frischem Fleisch und warmem Blut.

Er hörte sie heulen, und jetzt kamen auch ihre Schritte und Pfoten näher durch die Gänge gehetzt. Schnell richtete er sich auf, wirbelte herum, und hörte die Stimme in seinem Hinterkopf fauchen: „Nein!“

Doch kam schon der erste, fast zwei Meter große Worg jagend durch den Tunnel in die Kammer. Zasz sprintete zur Seite und versuchte, hinter den Säulen Schutz zu finden. Doch der Worg hatte ihn erspäht und raste auf ihn zu. Oder er versuchte es zumindest. Den plötzlich viel etwas, eine große, graue Kugel, von der Decke und rammte ihn zu Boden.

Elrika, die Gruftassel, hatte sich zu einer Kugel zusammengerollt und sich von der Decke fallen lassen. Schnell, mit geschmeidigen Bewegungen, entrollte sie sich und raste auf Zasz zu. Der kleine, flinke Rattling sprang und auf ihren Rücken und klammerte sich fest während sie zur nächsten Wand rannte.

Zwei weitere Worgen kamen in den Raum gerannt, und auch der Niedergestreckte begann sich wieder aufzurappeln. Zasz klammerte sich mit Armen und Beinen an Elrikas Chitinrücken fest, während sie die Wand hoch rannte. Die Worgen sprangen nach den beiden, doch Elrika war zu flink. Sie huschte die Wand entlang in Richtung des Ausgangs, unter der Decke hindurch, während Zasz sich mühte, sich irgendwie an ihrem Rücken festzuklammern.

Sie raste durch die Gänge, hin und her, weg von der Kammer, weg von den Worgen, die sich umgedreht hatten und ihnen hinterherjagten. Doch mit der schnellen Gruftassel nicht mithalten konnten.
Links, rechts ging es durch die Gänge, nach Möglichkeit in Richtung Oberfläche. Irgendwann wurden die Schritte und das Geheul hinter ihnen leiser, bis sie schließlich ganz verklangen.

Endlich sahen sie Tageslicht vor sich. Vorsichtig rannte Elrika die Wand hinunter, Zasz noch immer auf ihrem Rücken. So sprinteten sie hinaus in die wüsten-heiße Sonne.
Nur weg von diesem Ort.

Doch immer noch, im Hinterkopf, war da der Gedanke an den blauen Stein in den Ruinen…

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